Dankeschön 2.0 – Wie funktioniert der Dienst Flattr eigentlich?

Dankeschön 2.0 – Wie funktioniert der Dienst Flattr eigentlich?

November 3, 2010 14 Von hombertho

Seit einiger Zeit geistert der Bezahldienst Flattr durch den Cyberspace und vor allem in Deutschland scheint Flattr gute Chancen zu haben, die kritische Masse zu durchbrechen. So verwendet mittlerweile die gesamte “Geekosphäre” (zum Beispiel Tim Pritlove, Fefe) sowie viele bekannte und große deutsche Blogs (z.B. Stefan Niggemeier, Der Spiegelfechter, Netzpolitik) Flattr. Mit der TAZ ist sogar eine bekannte deutsche Netzzeitung auf den Zug aufgesprungen.

Für einen Betrieb in der Open Beta ist das bereits ein beachtlicher Erfolg – Flattr ist zum Phänomen geworden. Sogar die Tagesthemen haben den neuen Dienst bereits gefunden. Es ist daher naheliegend, dass man sich mit dem Dienst einmal eingehend beschäftigen sollte.

Was ist Flattr eigentlich?

Flattr ist ein Micropaymentsystem und dafür gedacht, das “Bezahlen” für frei zugänglichen Inhalt im Netz zu revolutionieren. Wie Flattr im Detail funktioniert wird in folgendem Video gut gezeigt:

http://www.youtube.com/watch?v=_ZGwaq96mhU

Bei Flattr legt jeder Nutzer den Betrag fest, den er im Monat als Dankeschön an Kulturschaffende verteilen möchte – er macht sich seine eigene Kulturflatrate sozusagen.

Flattr ist dabei kein System wie Paypal, mit dem man gezielt definierte Beträge anderen zukommen lassen kann, es ist daher nicht als Bezahldienst für Shops oder ähnliches geeignet. Flattr ist eher ein “Dankeschönsystem” wie zum Beispiel Digg – nur das hier auch Geld fließt.

Der Konsument hat in diesem System einige Vorteile: Man hat eine Flatrate und muss sich keine Gedanken darüber machen, ob man ausversehen mehr Geld ausgibt als man wirklich möchte. Man behält sozusagen die volle Kontrolle.

Nett ist auch, dass man sich bei der Verwendung keine Gedanken darüber machen muss was einem der einzelne Inhalt, für den man sich bedankt, eigentlich genau Wert ist. Die Entscheidung ist binär – man mag es oder man mag es nicht. Das vereinfacht. Alles was man geflattert hat bekommt den gleichen Anteil des Geldes, welchen man monatlich für Inhalte im Netz ausgeben möchte.

Der eigentliche Charme ist aber die einfache Bedienung im Alltag – Es ist nur ein Klick! Einmal in Flattr eingeloggt braucht man kein Passwort, keine PIN, kein Homebanking, keine extra Seiten – ein Mausklick und man hat sich bedankt beim Autor, Fotograph oder Musiker.

Und für die Erzeuger von Kultur? Nun da ist auf jeden Fall erstmal das Geld – nach den ersten Erfahrungen ist es auch nicht allzu wenig. Netzpolitik hat zum Beispiel im August so um die 700€ eingenommen, taz.de konnte sogar über 1000 € für sich verbuchen.

Zugegeben- diese Einnahmen sind nicht genügend um diese Dienste hauptberuflich betreiben zu können, aber bei der TAZ kommen die Einnahmen zur Werbung hinzu und Netzpolitik wird davon auf jeden Fall seine Serverkosten decken können. Man sollte aber nicht vergessen: Die Einnahmen über Flattr sind zusätzliche Einnahmen zu den bisherigen Einnahmequellen, die einem zur Verfügung stehen.

Flattr dient darüber hinaus auch als Aggregator – was andere flattrn macht den eigenen Content interessanter. Auf Flattr.com gibt es Listen mit flattrbaren Inhalten – und Hitlisten was gerade geflattrt wurde. Flattr.com bringt dadurch auch wieder Besuch auf die eigenen Seiten, wenn man guten Content hat- was sogar ich als kleines Licht feststellen kann.

Was für mich persönlich allerdings viel wichtiger bei Flattr ist, ist allerdings das “Dankeschön” Feedback, die Wertschätzung sozusagen, welches mit dem Geld mitschwingt. Viele Blogger sind auf der Suche nach einer Möglichkeit, den Lesern direkten Feedback zu erleichtern.

Derzeit werden auf vielen Blogs vor allem die Facebook “Like It” Buttons integriert. Meine Leser allerdings der “Datenschlampe Facebook” offenzulegen widerstrebt mir extrem, weswegen ich auf keinen Fall Facebook in mein Blog integrieren werde. Gut, auch Flattr bekommt meine Besucher derzeit geliefert – allerdings vertraue ich den Machern von Flattr mit den Daten entsprechend umzugehen und das wird sich mit der zu erscheinenden REST-API auch ändern.

Ich als Autor – und ich blogge ja schon etwas länger – stelle auf jeden Fall fest, dass ich es sehr schön finde wenn ich geflattrt werde. Zeigt es mir schlicht, dass die Visits Personen sind, die meine Texte auch wirklich lesen und denen es gefällt was ich schreibe – oder zumindest genug Respekt abzollt mir dafür etwas Geld zu geben. Ja, es sind in der Regel nur 20 Cents für jeden Klick, aber ich bemerke es bei mir persönlich, dass die Tatsache das Geld involviert ist eine gewisse Hemmschwelle aufbaut und man nicht gedankenlos auf alles klickt.

Geld weitergeben muss jedes Mitglied bei Flattr – mindestens zwei Euro im Monat. Diesen Betrag sollte sich eigentlich jeder leisten können, es ist also sicherlich kein Anmeldehemmnis. Ein Problem für das wirkliche Durchsetzen des Dienstes ist derzeit, dass es für nicht “Geeks” nur relativ wenig Inhalt zum Flattrn gibt. Es würde dem Dienst sicherlich gut tun, wenn ein paar weitere Seiten einsteigen – und ich bin da auch guter Hoffnung – vor allem, wenn der Dienst erstmal aus der Betaphase ist.

Persönlich wünsche ich mir am meisten Flattr auf Flickr, um mich für die schönen Symbolbilder meiner Blogposts zu bedanken die ich dort regelmäßig finde. Ja, natürlich verwende ich nur Bilder unter der Creative Commons, welche ich eh kostenlos verwenden kann. Aber so ein kleines Danke geben zu könnnen wäre trotzdem einfach schön – irgendwie.

Ein Dienst wie Flattr ist dringend notwendig um die Wertschätzung von Kultur im Internet auf breitere Füße zu stellen – und diese Wertschätzung ist wichtig für den Produzenten und den Konsumenten eines Inhalts. Und auch wenn die Summen bisher eher klein sind, zeigt Flattr Möglichkeiten auf, wie mehr Geld in den Kulturkreislauf Internet geleitet werden kann.

Und wer das Geld, dass er dort einnimmt nicht braucht – wie zum Beispiel ich – der kann es auch einfach im Flattr System lassen und seine monatlichen Ausgaben erhöhen. Denn zum eigentlichen Geld kommt eben das gute Gefühl, sich angemessen Bedanken zu können – Und die Freude über jedes Dankeschön das man erhält – Flattr das Dankeschön 2.0.

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